Marseille


Izzos Marseille
Prens la vie Marsaille Marseille ist ein Mythos. Die Stadt war und ist ‚le carrefour du monde‘, der Schnittpunkt zwischen Orient und Okzident, in dem sich Kulturen und Menschen in einer für Europa einmaligen Art und Weise mischen. In den dreißiger Jahren war Marseille Fluchtpunkt derer, die vor den Gräueln des Faschismus aus Europa fliehen wollten. Immer war Marseille Frankreichs Tor zur Welt, durch das Menschen und Waren nach Frankreich kamen, zur Zeit des Kolonialismus und noch heute, woraus sich viele der Probleme der Stadt ergeben. Marseille „ist eine der geheimnisvollsten Städte der Welt und eine der am schwierigsten zu ergründenden.“ (Cendrars)
Jean-Claude Izzo, 1945 in Marseille geboren, im Januar 2000 dort gestorben, hat seiner Heimatstadt in der Romantrilogie - Total Cheops, Chourmo, Solea - ein literarisches Denkmal gesetzt. „Izzo war für Marseille, was Malet für Paris, Hammet für San Francisco, Jerome Charyn für New York war. Als er starb, war es, als hätte die Stadt ihr Gedächtnis verloren.“ (SZ)

Marseille ist nicht nur Folie in Izzo‘s Romanen, die Stadt ist weit mehr als Fabio Montale die Hauptfigur. Izzo zeichnet ein melancholisches Bild Marseilles, das schwer gezeichnet ist durch den jahrzehntelangen politischen Filz, durch die Mafia, die die Stadt zum wichtigen Drogenumschlagplatz gemacht hat und durch die Rassenprobleme in den Banlieus, die von Fundamentalisten jeder Couleur und den Rechten geschürt werden. Marseille entzieht sich einer schnellen Einschätzung. Sein Licht, seine Farben und seine Lebendigkeit blenden. Niemand kann sagen: Ich habe Marseille gesehen. Man kann vielleicht sagen, man habe ein Marseille gesehen.

Während mehrerer Reisen nach Marseille, die meisten zusammen mit meiner Tochter, versuchten wir uns die Stadt zu erschließen, auf den Spuren Fabio Montales, mit den Texten von Walter Benjamin, Joseph Roth, Anna Seghers, Blaise Cendrars, Lisa Fittko, Varian Fry und anderer.


Marseille Fotografie Marseille Fotografie Edwin Gantert

So entstand nach dem Todes Izzos die Veranstaltung
Izzos Marseille,
zu meinen Photographien liest Heinzl Spagl, Schauspieler am Freiburger Theater im Marienbad aus der Marseille-Trilogie. Aufführungen fanden statt in Freiburg, in der Buchhandlung Jos Fritz und ‚Unter Sternen’, Vorderhaus-Kultur in der Fabrik Hamburg im Körber-Forum Köln, Lit-Cologne, Genf, Pfullendorf, Bensheim, Zürich, Ulm, Langenau

Die Romane Jean-Claude Izzos sind alle im Unionsverlag, Zürich, erschienen: Die Marseille-Trilogie (zuletzt 2012), Aldebaran, Leben macht müde, Izzos Marseille, mit Photographien von Edwin Gantert, Unions Tb


Fenster Marseille Fotografie


2013 ist Marseille, die größte afrikanische Stadt in Europa, europäische Kulturhauptstadt.
Ob Izzo mit den Veränderungen, die diese Entscheidung nach sich zogen, einverstanden gewesen wäre, möchte ich jedoch bezweifeln. Um das ‚Museum für mediterrane Kultur’ zu bauen, mussten erst mal die vertrieben werden, die diese Kultur verkörpern. Der Sandstrand um das Fort St. Jean war einmal ein Treffpunkt für Kinder, die baden und spielen wollten, abends versammelten sich Familien, Musiker. Und nun? Unter dem Pflaster liegt der Strand, ein Riesenrad dreht sich, Zäune grenzen ab. Die Vieille Ville, das Panier Viertel, das die Deutschen im Januar 1943 zerstören wollten, weil sie es für den größten Puff Europas und ein Rückzugsgebiet der Résistance hielten, wurde jetzt gesäubert, mit den heute üblichen Mitteln. Auf der Place de Refuge, der Rue de Réfuge, der Rue du Panier, überall ist das Leben verschwunden. Ebenso vom Cours Belsunce.
Der Vieux Port ist endgültig zum Yachthafen geworden und Marseille nimmt unter der Kunstschickeria den gleichen Weg, den andere Städte genommen haben. Nur die Banlieus werden bleiben und wahrscheinlich die Korruption, die Kriminalität und die Touristen können sicher und sauber in den Cafés am Alten Hafen sitzen, denn kein Schiff wird mehr kommen und die Menschen aus Nordafrika werden ja bereits weit draußen auf dem Meer, an einer unsichtbaren Grenze, abgefangen.


Mein Marseille

"Eine Hommage an Marseille, zusammengetragen aus Texten und Romanen des Krimischriftstellers, atmosphärisch verdichtet mit den Schwarz-Weiß-Photos von Edwin Gantert."
(Geo Saison, Provence)



Mein Marseille können Sie hier bestellen